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Brennholz – knapp oder reichlich vorhanden?

(Foto: Brennende Holzscheite in einem Ofen)

Holzpellets haben sich als CO2-neutrale Alternative zu Öl und Gas etabliert, Heizgeräte für Stückholz legen zu. Also alles in bester Ordnung auf dem Weg zur Wohnraumbeheizung mit nachwachsenden Rohstoffen? Ganz und gar nicht, findet die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR). Am Wochenende meldete sie sich mit einer Warnung zu Wort: Brennholz wird knapp und teuer, weil die Deutschen zu viel Holz verbrennen. Alles nur Panikmache, hält jetzt der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) dagegen: Der Wald wächst, und die Holzvorräte nehmen weiter zu. Wer hat nun Recht? Für Hausbesitzer eine Frage, die über hohe Investitionen in die Heiztechnik entscheiden kann.



Um die beiden Positionen einordnen zu können, ist zunächst die Frage wichtig, wer jeweils hinter den Verbänden steht. Bei der AGR sind es größtenteils Betriebe, die Produkte aus Holz herstellen. Papierproduzenten finden sich hier ebenso wie Sägewerke, Lieferanten für Möbel- und Konstruktionsholz oder Zellulose-Hersteller. Steigende Holzpreise in Folge einer stärkeren Nachfrage haben auch Einfluss auf die Einkaufspreise und damit die Kostenstruktur dieser Firmen.

Im HKI andererseits haben sich unter anderem Hersteller zusammengeschlossen, die Koch- und Heizgeräte ebenso wie etwa Kamine und Öfen anbieten. Mit der Plattform www.ratgeber-ofen.de sollen Verbraucher etwa über die Möglichkeiten des Heizens mit festen Brennstoffen informiert und für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem engagiert man sich dort für Forschung und technische Entwicklung. Dem Verband ist also an einem positiven Image der Holzheizung gelegen.


Preissteigerungen und Holzvorräte


Kaminofen im Wohnzimmer
Soweit sind die Fronten also klar aufgestellt. Doch was ist mit den Argumenten? Die AGR konstatiert hier vor allem Preissteigerungen. Seit 2005 sei Energieholz um fast 90% teurer geworden, Nadelholz-Hackschnitzel um 80%, und die Preise für Pellets hätten sich fast verdoppelt. Ermittelt wurden diese Zahlen mit einer Befragung von 16 deutschen Forstämtern.

Ein weiterer Punkt in der Argumentation der Rohholzverbraucher: Wenn alle der 15 Millionen deutscher Haushalte, in denen heute bereits ein Holzofen steht, in Zukunft ausschließlich mit Holz heizen, würden dafür bis zu 300 Millionen Kubikmeter Holz jährlich gebraucht. Nach Angaben des AGR entspricht das dem Vierfachen des pro Jahr nutzbaren Waldholzes. Außerdem sieht die Arbeitsgemeinschaft in diesem Fall eine Steigerung der Feinstaubbelastung.

Ganz prinzipiell sieht man bei der AGR in Holz einen Rohstoff, der potenziell viele Produkte auf Erdölbasis ersetzen könnte – und das eben nicht nur in der Heizung. Das Fazit des AGR-Experten Denny Ohnesorge: „Holz ist eigentlich zu schade für den Ofen.“


Rohstoff Holz wächst nach


Seitenansicht Holzstapel
Der HKI sieht die Sorge um die Holzvorräte schon durch Zahlen relativiert, die bereits in der Meldung der AGR genannt werden: In Deutschlands Wäldern werden jährlich 75 bis 80 Millionen Kubikmeter Holz geerntet, die Menge an nutzbarem Holz wächst aber jährlich um 120 Millionen Kubikmeter. Das heißt: Zum bislang ungenutzten Vorrat kommen jedes Jahr mindestens 40 Millionen Kubikmeter hinzu.

Eine Gefährdung des Nachschubs für privat betriebene Holzheizungen sieht der HKI schon aus Prinzip nicht: Holz als nachwachsender Rohstoff zeichnet sich nun einmal dadurch aus, dass er tatsächlich nachwächst. Was zur Neige geht, sind nach Feststellung des HKI die fossilen Brennstoffe – was an Öl und Gas verbrannt wird, ist weg und bleibt weg.

Interessant klingt auch der Hinweis auf die Vorräte, die bereits beim Verbraucher lagern. Nach einer Studie des Zentrums Holzwirtschaft der Universität Hamburg sind das etwa 70 Millionen Raummeter Scheitholz und damit doppelt so viel, wie im Jahr 2010 in deutschen Heizkaminen, Kamin- und Kachelöfen verfeuert wurde. Das hat, bei Licht betrachtet, natürlich nicht direkt mit der Versorgungssituation zu tun, ist aber immerhin ein Puffer, der kurzfristige Preisschwankungen auffangen kann.

Die Preissteigerungen für Brennholz bestreitet der HKI nicht, sieht darin aber grundsätzlich nichts Schlechtes. Die sei Ausdruck für die Knappheit eines Gutes und setze Anreize, die Verbrennung zu optimieren. Dazu empfiehlt man moderne, emissionsärmere und effiziente Feuerstätten.


Fazit: Holz effizient einsetzen


Und an diesem Punkt sind die beiden Verbände beinahe wieder auf dem gleichen Kurs. Denn die AGR empfiehlt ebenfalls, auf einen hohen Wirkungsgrad beim Verbrennen von Holz zu setzen und den Brennstoff damit optimal zu nutzen. Dafür gibt sie einige praktische Tipps:

• Der Energieverbrauch eines Hauses sollte durch Dämmmaßnahmen gesenkt werden. Dabei sind schon kleine Dämmprojekte wie die Isolierung des Dachgeschosses oder der obersten Geschossdecke sinnvolle Ansätze zum Einsparen von Brennstoff.

• Drei Viertel der privaten Öfen in Deutschland gelten laut AGR als ineffizient und veraltet. Dabei stützt man sich auf Zahlen aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Konsequenz: Verbraucher sollten ihre Öfen richtig dimensionieren und bei der Anschaffung auf den besten Wirkungsgrad achten. Anhaltspunkte dafür können Siegel wie der „Blaue Engel“ oder „DINplus“ helfen.

• Die Kombination mit anderen Wärmeerzeugern wie etwa von Sonnenkollektoren macht die gesamte Anlage effizienter. Ein zusätzlich installierter Pufferspeicher sorgt außerdem dafür, dass Schwankungen im Wärmebedarf aufgefangen werden und die Verbrennung immer in einem möglichst günstigen Lastbereich stattfindet – das spart Brennholz und lässt die Verbrennung sauberer ablaufen.

• Brennholz sollte nur dann verwendet werden, wenn es richtig getrocknet ist. Das erreicht man, wenn man es in Scheite spaltet und locker an einem trockenen, gut belüfteten Ort für ein bis zwei Jahre stapelt. Trockenes Holz besitzt einen höheren Brennwert als frisches Holz und erzeugt bei der Verbrennung weniger Feinstaub. [ha]


Fotos: AGR/iStock, epr/Haas+Sohn, Petr Kovar/SXC
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