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Späne, Staub und Sägemehl

Absaugen in der Hobbywerkstatt



(Foto: Hand mit fliegenden Sägespänen)

Bei der gewerblichen Holzbearbeitung schreibt schon die Berufsgenossenschaft eine wirksame Absaugung des ­entstehenden Holzstaubs vor. In der privaten Holzwerkstatt sind Sie dazu nicht verpflichtet. Allerdings sprechen dort die gleichen Argumente für eine Absaugung wie beim Profi.





Staub ist gesundheitsschädlich


Der beste Grund, sich eingehend mit dem Thema Staub zu befassen, ist seine gesundheitsschädliche Wirkung. Das gilt vor allem für die Stäube, die beim Bearbeiten von Harthölzern anfallen: Seit etlichen Jahren bereits steht fest, dass beispielsweise Eichen- oder Buchenstaub Krebs erzeugt, wenn er eingeatmet wird. Die Nasenschleimhäute sind hierdurch besonders gefährdet. Außerdem können Holzstäube zu Asthma führen, wenn sie über längere Zeit eingeatmet werden. Auch allergische Reaktionen auf der Haut sind bei längerem Kontakt keine Seltenheit.

Nun wäre es kein Problem – wenn auch ein wenig lästig –, während der Arbeit mit Holz eine Staubschutzmaske zu tragen. Damit wäre der Gesundheitsschutz schließlich auch gewährleistet. Staub birgt jedoch weitere Risiken. Neben der unschönen Schmutzschicht, die sich überall in der Werkstatt niederschlägt und in jede Ritze dringt, kann Holzstaub Maschinen blockieren, Lager zusetzen und den Arbeitsfortschritt hemmen.

Bei weitem gefährlicher ist allerdings, dass Staub zu Explosionen führen kann, wenn die Konzentration hoch genug ist. Das ist in der heimischen Werkstatt zwar kein Dauerthema, da für die Zündfähigkeit von Holzstaub eine Verteilung von mehreren Dutzend Gramm pro Kubikmeter Luft erforderlich ist, aber die Gefahr ist durchaus real. Dabei gilt: Je feiner der Staub, desto akuter das Risiko einer Staubexplosion. Schleifstaub ist also problematischer als Sägemehl.

Die klassische Situation, die zu einer Explosion führen kann: In der Werkstatt hat sich eine Staubschicht abgelagert, möglicherweise über Tage und Wochen hinweg. Nun wird, etwa beim Öffnen der Tür oder des Fensters, der Holzstaub aufgewirbelt, zugleich erzeugt ein Schalter einen Funken. Winzige Holzpartikel bieten eine ausreichend große Oberfläche, um in Brand zu geraten, dieser Herd steckt blitzschnell benachbarte Partikel an, das Staub-Luft-Gemisch erhitzt sich immer stärker und zündet schließlich komplett durch – es kommt zur explosionsartigen Verpuffung. Unter anderem aus diesem Grund ist es wichtig, nicht nur während der Arbeit abzusaugen, sondern durch regelmäßiges Reinigen auch Staub- und Span-Ablagerungen zu vermeiden.


Je dichter am Werkstück, desto besser


Exzenterschleifer: Absauglöcher in Grundplatte und Schleifblatt
Damit Staub und Späne möglichst gar nicht erst in die Luft gelangen, sollte man sie gleich dort absaugen, wo sie entstehen – je feiner die Verarbeitungsreste, desto wichtiger ist das. Die Hersteller von stationären und handgeführten Maschinen haben im Laufe der Zeit einiges an Ingenieurleistung in das Problem investiert und Absaugungen zunehmend tiefer in ihre Werkzeuge integriert. Bei Schwing- und Exzenterschleifern ist es mittlerweile Stand der Technik, Staub durch Öffnungen in Schleiftellern und Schleifmitteln abzusaugen. Über Gebläse, die mit dem Maschinenantrieb gekoppelt sind, wird der Staub dann zu einem Absaugstutzen transportiert.

Die beiden Schleifgeräte stellen in dieser Hinsicht allerdings einen Idealfall dar, da die Absaugkanäle unmittelbar bis zum Ort des Materialabtrags geführt werden können. Bei Sägen oder Fräsen ist das häufig nicht der Fall, da hier für gute Ergebnisse in vielen Fällen Werkstück und Einsatzwerkzeug einsehbar sein müssen. Es ist also Sache des Konstrukteurs, die Luftführung mit Hauben oder Hülsen zu optimieren, ohne dem Anwender die Sicht zu verstellen.

Außerdem spielt natürlich der Unterdruck eine Rolle, der an der Einsatzstelle erzeugt werden kann. Die Rechnung ist dabei im Grunde ganz einfach: Je kräftiger die Absaugung, desto mehr Spielraum bleibt rund um die Säge- oder Frässtelle. Die Investition in einen kräftigen externen Sauger ist deshalb gut angelegtes Geld.

Oberfräse mit angeschlossener Absaugung
Beim Fräsen kann die Absaugung sehr nahe an der Einsatzstelle erfolgen, aber nicht direkt auf dem Werkstück. Die Kunststoffhülse vor dem Fräser hilft dabei.

Es gibt allerdings auch Maschinen und Werkzeuge, bei denen eine Absaugung ausgesprochen schwierig ist. Dazu zählen etwa Drechselbänke. Hier empfiehlt sich eine Atemschutzmaske. Bei anderen Geräten wie etwa Stichsägen kann eine Absaugung auch entbehrlich sein, wenn ein Spanflugschutz vorhanden ist.


Eigenabsaugung oder Fremdabsaugung


Doch erst einmal zurück zum Werkzeug. Wir hatten bereits den Absaugstutzen angesprochen. Was hier mit dem Staub geschieht, hängt davon ab, wie selbstständig das Werkzeug damit umgehen kann. Maschinen mit Eigenabsaugung besitzen eingebaute Gebläse, die Staub und Späne ohne fremde Hilfe hierher befördern. In diesem Fall kann man am Stutzen einen (meist mitgelieferten) Späne-Fangsack anbringen. Den muss man zwar immer wieder ausleeren, aber das Werkzeug hängt dafür nicht an einem Schlauch, erlaubt also eine größere Bewegungsfreiheit.

Maschinen ohne Eigen­absaugung können naturgemäß mit einem Spänesack wenig anfangen – sie wären gar nicht in der Lage, ihn zu füllen. Bei diesen Geräten übernimmt eine Fremdabsaugung die Abfuhr der Reste, im privaten Umfeld meist in Gestalt eines Werkstattsaugers.


Der richtige Sauger für Ihre Werkstatt


Bei der Auswahl des Gerätes, das zum Herzstück Ihrer Absauganlage werden soll, können Sie auf eine sehr breite Angebotspalette zugreifen. Im einfachsten Fall setzt man einen gewöhnlicher Haushalts-Staubsauger ein. Empfehlenswert ist das jedoch meist nicht. Zum einen sind viele dieser Geräte nicht für einen Dauereinsatz geeignet – man kann damit problemlos einige Zimmer in der Wohnung hintereinander reinigen, doch bereits nach ein bis zwei Stunden ununterbrochenen Betriebs in der Werkstatt strecken solche Geräte schon einmal mit einem Motorschaden die Waffen. Zum anderen ist ihre Kapazität sehr begrenzt. Das macht sich weniger beim Schleifen bemerkbar, dafür umso schneller beim Sägen oder Fräsen, wenn größere Mengen Späne und Holzmehl die Staubbeutel in Windeseile füllen und die Verbrauchskosten in die Höhe treiben.

Umgekehrt lohnt sich nur bei wenigen, sehr ambitionierten Amateuren eine (semi)professionelle, fest installierte Absauganlage. Wir würden von einer Zentralabsaugung zwar nicht grundsätzlich abraten, wenn ausreichend Platz und Geld zur Verfügung stehen, nötig ist solch ein Aufwand in der Privatwerkstatt aber meist nicht.

Den besten Mittelweg bieten in der Regel robuste Werkstatt- oder Allzwecksauger. Sie erfüllen nicht nur bei der Holzbearbeitung ihren Zweck, sondern lassen sich auch für das Aufnehmen grober Verschmutzungen, teils auch von Flüssigkeiten in Haus, Hof und Garten nutzen. Ob sich ein derartiges Gerät für die Holzwerkstatt eignet, erkennen Sie an der sogenannten Staubklasse, für die es freigegeben ist. Einzelheiten dazu finden Sie im folgenden Kasten.

Staubklassen


Die Anforderungen an Staubsauger sind in der Norm EN 60335-2-69 geregelt. Einen zentraler Punkt darin bilden die sogenannten Staubklassen. Bei der Einteilung werden verschiedene Eigenschaften wie der maximale Durchlassgrad für Staub berücksichtigt – also der Anteil, den der Sauger wieder an die Umgebung abgibt. Auch die Möglichkeit zur staubarmen oder staubfreien Entsorgung der aufgenommenen Substanzen spielt eine Rolle. Privatanwender können sich grob an dieser Einteilung orientieren:

L – für leicht gefährliche Stäube Geeignet für Hausstaub, Erde, Sand, Mörtel und ähnlich unbedenkliche Materialien. An die Entsorgung werden keine Anforderungen gestellt.

M – für mittel gefährliche Stäube Zur Aufnahme krebs- oder allergieverursachender Holzstäube, Lackschliff, Kupfer, Nickel etc. Da man nicht weiß, welche Holzarten man eines Tages bearbeiten möchte, sollte man in der Holzwerkstatt mindestens einen für die Staubklasse M geeigneten Sauger betreiben. Die Entsorgung der aufgenommenen Materialien muss staubarm möglich sein.

H – für hoch gefährliche Stäube Darunter fallen gesundheitsgefährliche Stoffe wie Schimmel, Kadmium, Beryllium (in Kupferlegierungen anzutreffen), Formaldehyd, Blei, Asbest, Mineralfasern. Die Entsorgung muss staubfrei möglich sein.

Gewerbliche Verwender verständigen sich am besten mit den Fachleuten der zuständigen Berufsgenossenschaft über die Anforderungen an eine Staubabsaugung.


Eine weitere Entscheidung können nur Sie anhand der individuellen Nutzung treffen: Bei gelegentlicher Nutzung zum Absaugen von Holzstaub genügt ein Allzweck-Gerät im Haus, das hin und wieder eben auch in der Werkstatt zum Einsatz kommt. Arbeiten Sie dagegen häufig mit Holz, bietet es sich an, einen Sauger allein für diesen Zweck zu reservieren – das ist praktischer, und man verzichtet nicht nur deshalb aufs Absaugen, weil das Gerät im Moment an anderer Stelle gebraucht wird.

Ansonsten folgt die Kaufentscheidung praktischen Gesichtspunkten und den gewünschten Komfort-Merkmalen: Hier spielt das Aufnahmevolumen des Staubbehälters ebenso eine Rolle wie das einfache Ausleeren. Eine halbautomatische oder automatische Filter-Abreinigung erhält Saugkraft und Filterwirkung im laufenden Betrieb, ein robuster, leistungsfähiger Motor verspricht eine lange Lebensdauer. Ist die Saugkraft regulierbar, lässt sie sich immer genau an den jeweiligen Einsatzzweck anpassen.

Für das Zusammenspiel mit Ihrem vorhandenen Gerätepark ist natürlich auch wichtig, dass der Absaugschlauch an den Stutzen der Maschine oder an vorhandene Schutz- und Absaughauben passt. Auf Nummer sicher geht man dabei mit Systemlösungen, bei denen der Hersteller bereits an die Kompatibilität zwischen Elektrowerkzeugen, zugehörigen Arbeitsvorrichtungen und Saugern gedacht hat. Allerdings gibt es auch eine Vielzahl von Adaptern und Übergangsstücken, so dass es beispielsweise nicht nötig ist, auf einen hochwertigen Sauger zu verzichten, nur weil ein simpleres Modell ohne Zwischenstück ans vorhandene Werkzeug passt.

Ein Komfort-Merkmal sollte heute in keinem Fall fehlen: eine Steckdose am Sauger, an der das Elektrowerkzeug angeschlossen wird und die den Sauger immer dann automatisch starten lässt, wenn das Werkzeug in Betrieb genommen wird. Wer einmal mit einer solchen Automatik gearbeitet hat, wird sie nicht mehr missen wollen.


Achtung, Metall!


So leistungsfähig Werkstattsauger heute sind – einige Dinge sollte man ihnen im eigenen Interesse ersparen: Tabu ist die Absaugung bei Arbeiten an Metall. Dabei fliegen fast immer Funken, die unversehens einen angeschlossenen Spänefangsack oder den Behälter eines Staubsaugers in Brand setzen können. Die Gefahr besteht schon dann, wenn beispielsweise ein gebrauchtes Möbelstück abgeschliffen wird, in dessen Holz eine Schraube oder ein Nagel vergessen wurden. Erst recht können Funken beim Entlacken von Blech entstehen, ebenso beim Entrosten eines schmiede­eisernen Ziergegenstands.

Dass man Sicherheit schafft, indem man nach der Arbeit eine Sichtkontrolle des Spänebehälters vornimmt, ist eine Illusion. Dort können verborgene Glutnester vor sich hin schwelen, die man nicht entdeckt und die dann nach Stunden zum Brand führen.

Hausbrand
Machen Sie es sich deshalb zur festen Regel: Sobald Metall im Spiel ist, nehmen Sie den Spänefangsack oder den Absaugschlauch von der Maschine und arbeiten fernab von brennbaren Substanzen – am besten im Freien.

Wer auf das Schleifen von Metall in der Werkstatt nicht verzichten kann – beispielsweise bei der Herstellung von Messern –, sollte über die Installation eines Funkenabscheiders nachdenken.
Schaden anrichten können außerdem leichtflüchtige Lösemittel, brennbare Chemikalien aller Art oder aggressive Säuren und Laugen. Die Konsequenzen reichen hier von Defekten am Sauger bis hin zur Bildung eines zündfähigen Gemischs mit anschließender Explosion.

Noch ein Tipp zum Schluss: Ein Werkstattsauger der Klasse M oder H hilft der Gesundheit überhaupt nicht, wenn man den Staub dann später beim Entleeren tief einatmet. Deshalb sollten Sie zum einen alle technischen Vorrichtungen zum staubarmen oder staubfreien Ausleeren auch nutzen, zum anderen empfiehlt es sich, während des Ausleerens eine Staubschutzmaske zu tragen. Sie sollte einen Partikelfilter der Klasse P2 oder – noch besser – FFP2S oder FFP2SL besitzen. [ha]

Wohin mit Staub und Spänen?


Bei der Holzbearbeitung fallen oft größere Mengen Späne, Staub und Sägemehl an. Wohin damit? In begrenztem Umfang lassen sich Späne von unbehandeltem Holz kompostieren. Sie neigen jedoch zum Verklumpen und können dann faulen – je feiner, desto eher. Deshalb immer mit lockeren Materialien wie Strauchschnitt mischen. In größeren Mengen überfordern Holzreste einen Komposthhaufen. Gerbstoffreiche Holzarten wie Eiche, Platane, Walnuss oder Kastanie zersetzen sich übrigens sehr langsam und ergeben saure Erde – wenn man sie im Garten verwerten will, sollte man sie separat kompostieren.

In der Natur nichts verloren haben Späne von Holzwerkstoffen (Spanplatte, MDF, HDF, OSB) und behandeltem Holz. Sie gehören ebenso wie sehr feiner Staub in die Restmülltonne. Sägemehl, das mit Schadstoffen verunreinigt ist, etwa weil es zum Binden von Altöl verwendet wurde, gehört zum Sondermüll.

Die thermische Verwertung, also das Verbrennen, ist für Privathaushalte keine Lösung. In Gewerbebetrieben stehen zwar zuweilen geeignete Öfen oder Pressanlagen, im heimischen Kaminofen sollten feine Holzreste wegen der Verpuffungsgefahr dagegen nicht verbrannt werden.
[ha]


Fotos: SXC, mgf, Festool
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