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Festgerostete Schrauben lösen

Verrostete Muttern an Metall

Das Thema war schon für etliche Hilferufe in Online-Foren gut: Wie löst man eine festgerostete Schraube oder Mutter, die meist auch noch an einer schwer zugänglichen Stelle sitzt – im Motorraum eines Autos, an einer Zaunkonstruktion, am Fahrrad ... eben überall, wo verschraubte Teile der Witterung oder chemisch bedingter starker Korrosion ausgesetzt sind. Wir haben das Thema einmal systematisch angepackt und geben Tipps zum Lösen festsitzender Schrauben und Muttern.



Bevor nackte Gewalt zum Einsatz kommt, sollte man sanfte Methoden versuchen. Der Klassiker ist dabei Kriechöl – Caramba, Ballistol, WD-40 und wie sie alle heißen. Je nach Zusammensetzung unterstützen sie zusätzlich den Lösevorgang, indem sie chemisch dem Rost zu Leibe rücken. Das Haupt-Wirkprinzip liegt aber bei allen Mitteln darin, dass sie durch Kapillareffekte in feinste Spalten dringen und die Reibung zwischen den durch Rost aufgerauten Oberflächen verringern.

Vereisungsspray wird auf rostige Mutter gesprüht
Angewendet werden solche Öle meist aus der Sprühdose. Es hat dabei wenig Sinn, die gesamte Verschraubung und womöglich noch deren Umgebung großzügig zu bedecken. Wichtig ist vielmehr, gezielt die Spalten zu treffen, also die Stellen, an der das Öl auch eindringen kann. Die meisten Sprühdosen bringen dazu ein dünnes Röhrchen mit, das man auf den Sprühkopf aufsteckt. Damit sprühen Sie auf sichtbare Spalten. Wiederholen Sie den Vorgang mehrmals mit kleinen Mengen, das ist besser, als auf einmal eine große Portion aufzubringen, denn davon läuft der meiste Teil ohnehin nach unten weg und tropft wirkungslos auf den Boden.

Lässt sich die Schraube immer noch nicht lösen, können Sie eine weitere Eskalationsstufe versuchen: Verwenden Sie einen
Rostlöser mit Vereisungskomponente. Eisen und Rost dehnen sich bei Temperaturänderungen unterschiedlich stark aus bzw. schwinden in unterschiedlichem Maß. Das kann dazu führen, dass sich durch den Kälteschock die Oxydschicht vom Metall löst, das Öl besser eindringt und die Schraubverbindung wieder gängig macht.

Lötlampe mit Flamme
Das gleiche Prinzip, nur andersherum, macht man sich zunutze, wenn man die Verbindung mit einer Lötlampe oder einem Heißluftgebläse erwärmt. Das empfiehlt sich allerdings nur in hitzeunempfindlichen Umgebungen. Mit einer offenen Flamme im Motorraum eines Pkw hantieren beispielsweise nur Leute, deren Lebensmotto „no risk, no fun“ lautet.

Wenn ein Heißluftgebläse zur Verfügung steht, können Sie den Luftstrahl eventuell mit einer Aufsteckdüse bündeln und gezielter auf die Schraube oder Mutter richten. Erwärmen Sie die Stelle aber vorsichtig. Mit der offenen Flamme halten Sie ebenfalls nicht stramm drauf, bis die Verbindung glüht, sondern „streicheln“ sie eher: Die Schraube darf heiß werden, aber das Metallgefüge sollte nicht beeinträchtigt werden. Durch zu viel Hitze verliert es eventuell an Härte oder Zähigkeit, was besonders fatal ist, wenn ein Teil der Schraubverbindung fest in einer Konstruktion, etwa einem Fahrrad oder Auto, integriert ist. Dort käme dann keine haltbare Verbindung mehr zustande.

Versuchen kann man auch das Lösen des Rostes mit leichten
Hammerschlägen. Dabei schlägt man nicht so kraftvoll zu, dass sich die Teile verformen, sondern man klopft eher fein dosiert auf die Verbindung. Das Ziel dabei ist wie beim Erwärmen oder Vereisen, die Verbindung zwischen Metall und Oxydschicht zu lösen.

Etwas rabiater gehen dabei
Schlagschrauber zu Gange. Sie wandeln die Hammerschläge in eine Drehbewegung um. Mit kräftigen Schlägen kann man auf diese Weise festsitzende Schrauben lösen. Wenn die Schraube schon stark angegriffen ist, kann dieses Vorgehen allerdings auch dazu führen, dass sie endgültig abschert oder der Kopf zerstört wird. Das kann auch bei elektrischen Schlagschraubern geschehen, doch hier ist die Kraft für den Laien besser dosierbar.

Haben Öl, Kälte oder Hitze oder sanfte Kraftanwendung versagt, wird es Zeit für die nächste Eskalationsstufe, die nicht mehr zerstörungsfrei abläuft. Hier muss man zwischen der Behandlung von Schrauben oder Bolzen und der von Muttern unterscheiden. Unlösbare Muttern kann man, wenn rundherum genug Platz vorhanden ist, mit einem
Trennschleifer oder – etwas weniger martialisch – mit einer kleinen Eisensäge aufschneiden. In engen Arbeitsumgebungen eignet sich dagegen oft ein sogenannter Mutternsprenger, auch Mutternknacker genannt. Er besteht aus einer Öse oder Halböse, die um die Mutter herumgelegt wird, und einem innen geführten Hartmetallkeil, der mit Hilfe eines Schraubenschlüssel gegen die Mutter gedreht wird, bis sie reißt und dann meist einfach abgeschraubt werden kann. Für Profis sind Mutternsprenger auch mit Druckluftantrieb erhältlich.

Richtig angewendet, beschädigen Mutternsprenger nicht das Gewinde des Gegenstücks, also der Schraube oder des Bolzens, und bei kleinen Macken kann man das Gewinde meist nachschneiden (lassen).

Unlösbare Schrauben leiden zuweilen nur daran, dass der Antrieb, also der Schlitz, Kreuzschlitz oder Innensechskant, durch Korrosion unbrauchbar wurde oder dass die Schraube abgebrochen ist. Im einfachsten Fall sägt man hier einen schmalen Schlitz in den Schraubenkopf oder den Schraubenrest und löst die Verbindung mit einem Schraubendreher.

Ein Satz Linskausdreher
Ist das nicht möglich, kann in vielen Fällen ein Linksausdreher helfen. Die Arbeit damit erfordert etwas Vorbereitung: Zunächst bohren Sie vom Kopf aus mit kleinem Durchmesser (etwa dem halben Schraubendurchmesser) ein Stück in die Schraube hinein. Eventuell müssen Sie den Kopf vorher mit der Feile glätten, in jedem Fall sollten Sie die Bohrstelle ankörnen, damit der Bohrer nicht wegrutscht. Der Linskausdreher wird in ein Windeisen gespannt, wie es zu Gewindeschneidesätzen gehört oder einzeln erhältlich ist. Nun setzt man den Ausdreher an der Bohrung an und dreht beherzt gegen den Uhrzeigersinn das Werkzeug hinein, und wenn es in der Bohrung gefasst hat, dreht man weiter die Schraube los.

Bedenken Sie dabei, dass Linksausdreher, vor allem sehr preiswerte, die Operation zuweilen selbst nicht überleben, und betrachten Sie sie als Verbrauchsmaterial.

Ist die Schraube im Gegenstück festgerostet, kann man sie in etlichen Fällen
ausbohren. Das ist allerdings oft eine heikle Angelegenheit. Man sollte dabei mit möglichst kleinen Durchmessern beginnen und muss exakt senkrecht bohren. Eine Beschädigung des Gegengewindes lässt sich nicht immer vermeiden. Sie sollten also vor der Operation abklären, ob Sie das Gewinde später eventuell mit einem größeren Durchmesser nachschneiden können, um dann eine entsprechend größere Schraube zu verwenden. Ob das möglich ist, hängt von der restlichen Konstruktion ab. Im Zweifel sollte man die Hände vom Ausbohren lassen und einen Fachmann hinzuziehen.


Was man nicht tun sollte


Beim Schraubenlösen gibt es auch einige Dinge, die man tunlichst bleiben lassen sollte. Dazu gehört beispielsweise das Verlängern des Schraubenschlüssels oder der Steckschlüssel-Knarre mit einem Rohr oder ähnlichem. Das vergrößert zwar die anwendbare Hebelkraft, doch genau das ist auch das Problem: Aus einer zu fest sitzenden Schraubverbindung kann im Nu eine abgescherte oder rund gedrehte Verbindung werden, Beschädigungen an der Gesamtkonstruktion und Verletzungsgefahren für den Anwender inbegriffen. Noch eher passiert so etwas, wenn man nicht genau gerade hebelt.

Dass Sie mit offenen Flammen vorsichtig sein müssen, hatten wir bereits geschrieben. Das gleiche gilt auch für die wahllose Anwendung aggressiver Chemikalien. Da steht etwa möglicherweise noch eine Flasche Salzsäure im Regal – lassen Sie sie dort stehen, denn damit kann man in diesem Fall mehr Unheil anrichten als Nützliches bewirken. Chemische Stoffe, deren Wirkungsweise man nicht kennt, sollte man grundsätzlich nicht ins Blaue hinein verwenden.


Vorbeugen ist besser als heilen


Das Lösen der Schraube oder Mutter hat Ihnen eine Menge Arbeit bereitet und Sie einige Zeit gekostet? Den Aufwand wollen Sie in Zukunft wahrscheinlich vermeiden. Beugen Sie also vor!

Eine Maßnahme, die leicht durchzuführen ist: Behalten Sie Schraubverbindungen im Auge. Rostansatz erkennt man meist lange bevor die Verbindung endgültig festrostet.

Eine weitere Methode besteht darin, Schraubgewinde vor dem Montieren zu fetten. Dies beeinträchtigt in der Regel die Festigkeit der (hinreichend fest angezogenen) Schraubverbindung nicht. Bei sicherheitsrelevanten, einer Vibration ausgesetzten oder auch bei elektrisch leitenden Verbindungen sollte man sich allerdings zuvor beim Hersteller des Teils vergewissern, unter welchen Randbedingungen und mit welchen Mitteln das Fetten ratsam ist. Wie immer, wenn größere Werte oder die Gesundheit auf dem Spiel stehen, gilt dabei: Sind Sie unsicher, dann lassen Sie es!

Geeignet ist zum Schraubenfetten oft weißes Universalfett aus dem Baumarkt, aber auch spezielle Montagepasten oder in einigen Anwendungen Kupferpaste. Flüssige oder pastöse Schraubensicherungen, die eine konservierende Wirkung haben, könne ebenfalls dem Festsetzen vorbeugen.

Eher eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist es, Schraubverbindungen regelmäßig auf Verdacht zu lösen und wieder zu befestigen. Bei selbstsichernden Muttern ist diese Methode besonders fragwürdig, da sie nach dem Lösen ihre selbstsichernde Eigenschaft verloren haben.
[ha]


Bildnachweise

Rostlöser-Spray: CRC Industries Deutschland
Aufmacher/Vorschaubild:
Mbdortmund, Lizenz: GNU FDL 1.2 only
Linskausdreher: Wikipedia/StromBer, Lizenz:
cc-by-sa 3.0
Lötlampe: Elmarheissler/Public Domain
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