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Lichterketten-Test: Gefährliche Dekoration

(Foto: TÜV-Tester bei der Erwärmungsprüfung)

Dass etliche vor Weihnachten billig angebotene Lichterketten mit Vorsicht zu genießen sind, wissen aufmerksame Verbraucher. Trotzdem verblüfft es immer wieder, was in deutschen Geschäften an normwidrigen, teils akut gefährlichen Produkten angeboten wird. Ein Test, den der TÜV Rheinland kürzlich durchführte, bestätigt dieses Bild: Fast 70 Prozent der anonym eingekauften Produkte entspricht nicht einmal den Mindeststandards, die die einschlägige europäische Norm setzt. Etwa 20 Prozent der Lichterketten setzen den Benutzer sogar akuten Gefahren durch Stromschlag oder Verbrennungen aus.



Eingekauft wurden Mitte November 52 Lichterketten bei den üblichen Bezugsquellen wie Baumärkten, Online-Shops oder 1-Euro-Läden. Der Test bezieht sich also ganz aktuell auf derzeit angebotene Produkte. Geprüft wurden durchweg Ketten, die mit der normalen Haushaltsspannung von 230 V betrieben werden. Grundlage der Prüfung war die Europanorm EN 60598-2-20 – diese Norm setzt Mindeststandards, die darüber entscheiden, ob eine Lichterkette innerhalb der EU verkauft werden darf.


38 Lichterketten halten Standards nicht ein


Prüfung von Außen-Lichterketten
Die Bestimmungen der Norm dürften den Herstellern sattsam bekannt sein. Trotzdem schafften es 38 Lichterketten nicht, die Vorgaben zu erfüllen. Das scheiterte oft schon an den erforderlichen Warn- und Sicherheitshinweisen. Häufig fehlten sie, teils waren diese Hinweise schlicht falsch. So war beispielsweise eine der Ketten für den Einsatz innen wie außen gekennzeichnet. Für den Außeneinsatz fehlten aber geeignete Dichtungen.

Neben den Anforderungen an die Deklaration werden durch die Norm auch Standards für die elektrische Sicherheit, die erreichten Temperaturen, die mechanische Stabilität und die Verpackung definiert. Die Vorgaben der Norm zu unterschreiten ist dabei keine Sache, die man achselzuckend abtun könnte: Nicht normgerechte Produkte sind nicht verkehrsfähig. Das heißt: Sie dürfen innerhalb der EU nicht verkauft werden. Der TÜV hat die zuständigen Behörden über die Testergebnisse informiert.


Akute Lebensgefahr


Detail mit Halogenleuchtmitteln
Während der eine oder andere Hinweis verständigen Anwendern ohnehin klar ist, stellte der TÜV bei einem Teil der Produkte gefährliche Konstruktionsmängel fest, auf die wohl niemand vorbereitet ist: So besteht bei sieben der Lichterketten die akute Gefahr eines Stromschlags, weil sich etwa Leitungen einfach aus der Fassung lösen. Nicht zu vergessen: Hier liegt Netzstrom an, der bei Berühren zu einem tödlichen Stromschlag führen kann. Diese Gefahr bestand bei sieben der getesteten Lichtdekorationen.

Ein Problem ist auch übermäßige Erwärmung im Betrieb. Fünf der geprüften Lichterketten wurden über 100 °C warm, eine kam sogar auf fast 250 °C. Was das bedeutet, wenn Kinder die faszinierende Lichterpracht berühren, stellt man sich lieber nicht vor.


Trotzdem eine gute Nachricht


LED-Ketten im Freien
Obwohl die Ergebnisse des Tests erschreckend wirken, zeigen sie – so unglaublich das klingt – letztlich eine positive Entwicklung. In den vergangenen Jahren fand nämlich der TÜV um die 90 Prozent Produkte, die schwere Sicherheitsmängel zeigten – eine sichere Kette zu kaufen, schien da wie ein Lottogewinn. Die Quote von 20 Prozent im diesjährigen Test wirkt da schon verhältnismäßig moderat, wenn auch immer noch sehr unbefriedigend.

Die dringendsten Probleme könnten sich im Laufe der nächsten Jahre übrigens durch den Trend zu Dekorationen mit LED-Technik entschärfen. LED-Ketten werden regelmäßig mit ungefährlichen Spannungen von 12 oder 24 V betrieben. Ein Stromschlag direkt an den Fassungen und Leitungen wird damit unwahrscheinlich, als Gefahrenquelle dafür bleibt dann nur noch der Trafo und dessen Zuleitung.

Für LED-Ketten spricht ohnehin einiges: Fallen einzelne Lichter aus, kann sich die restliche Kette nicht wie bei vielen herkömmlichen Produkten stark erhitzen. Außerdem verbrauchen LED deutlich weniger Strom – bis zu 90 Prozent Energie kann man dadurch einsparen. [ha]


Fotos: TÜV Rheinland (2), SXC (2)
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